Das Vegan- Experiment

Sonntag, der 17.06

 

Ich starte das Experiment. Experiment.  So sollte ich es nicht nennen, denn das hier soll kein Experiment sein. Experiment klingt nach einer begrenzten Zeit. Dabei soll es eine Umstellung werden, eine Veränderung.  Die letzten Wochen habe ich recherchiert, gelesen, mich informiert. Ich habe Dokumentation über Massentierhaltung gesehen, mich eingelesen und  die Folge war: Entsetzten. Ich war entsetzt, schockiert und ich musste mich fragen, mich damit beschäftigen, was ich will. Ob ich die Grausamkeiten gegenüber Tieren, die ich mit meinem Konsum bezahle und fördere, tragbar für mich sind.

Tragbar. Je mehr ich recherchiert habe, desto mehr erkannte ich: es ist nicht tragbar. Es ist nicht gerecht. Es ist furchtbar und mir fehlen die Worte, um zu beschreiben, was ich fühle, wenn ich, die vor Angst aufgerissenen Augen der Kühe und Schweine sehe.  Ihre Schreie, wenn die Menschen jagt auf sie machen, um sie zu betäuben und zu töten. Das ist nicht tragbar. Und meine Ignoranz, der letzten Jahre finde ich schockierend.  Gehörte ich doch jahrelang zu den Verfechtern des Fleischkonsum. Sagte ich Dinge wie: „Menschen haben schon immer Fleisch gegessen!“

SO geht das nicht weiter. Nicht für mich jedenfalls. Ich kann nicht so weitermachen. Das waren die Gedanken, die mich Tag und Nacht verfolgten. Ich träumte von toten Tieren, ihren Schreien und Bilder von Eiterbeulen, Kannibalismus und der Grausamkeit der Menschen.

 

Also starte ich das „Vegan-Experiment“! Ich werde mich in Zukunft vegan ernähren.  Ich habe mich also nicht nur mit der Grausamkeit der Massentierhaltung auseinandergesetzt, sondern auch mit dem Thema : Vegan!

 

Wieso vegan?

Würde nicht vegetarisch reichen? Zuerst dachte ich, ja. Aber was geschieht mit den Kühen, die ausgelaugt und erschöpft sind und schon nach 4-5 Jahren zusammenbrechen, weil sie nicht mehr Milch geben können? Sie werden geschlachtet! Und ihr Fleisch wird an Fast Food Ketten weitergegeben. So honorieren wir also die Jahrelange Ausbeutung und die Liter Milch, das Leben und das Leben ihrer Babys dieser Kühe: Indem sie Abfall Produkte werden!

Ihre Mutterliebe, die sie während ihrer Schwangerschaft entwickeln, wo geht die hin? Nirgendwo! Denn die Babys werden ihnen entrissen und getötet. Wenn es billiger ist, werden sie einfach entsorgt. Und Eier? Die männlichen Küken, die vergast und geschreddert werden- und zwar lebendig. Ich kann mir ihre Angst und ihre Schmerzen kaum vorstellen, während sie ersticken oder geschreddert werden.

 

Ich habe Dokumentationen gesehen. Artikel gelesen. Gründe gegen die Massentierhaltung gesucht und bin auf so viele gestoßen. So viel mehr als Ethik. Allein die Umweltkategorie hat mehr Gründe, als man in einer Minute aufsagen kann, um die Massentierhaltung abschaffen zu wollen. Dann ist da die Ernährung der Armen, die Hoffnung das Futter, dass für die Tiere verwendet wird, eines Tages an die Hungernden übergeben zu können. Um den Welthunger zu bekämpfen. Denn damit hätte man eine reelle Chance.

Man könnte tatsächlich etwas ändern!

Wäre das nicht wunderbar? Eine Utopie, die sich zur Realität wandelt? Aber auch für die Gesundheit der Menschen an sich ist eine vegane Ernährung vorteilhaft. Schließlich hat man inzwischen Parallelen zwischen einer Ernährung mit vielen tierischen Produkten und Herzerkrankungen, Diabetes, Autoimmunerkrankungen und MS gefunden. Länder, in denen die Rate der tierischen Produkte in der Ernährung hoch ist, haben auch eine hohe Statistik von Herzerkrankungen.  Diabetes kann man oft mit einer rein pflanzlicher Ernährung heilen oder die Medikamente verringern.  Es gibt sogar Studien, die Krebs und eine pflanzliche Ernährung und ihre Vorteile untersuchen. Und und und.

 

Viele die diesen Lebensstil adaptiert haben, fühlen sich großartig. Mehr Energie, bessere Haut etc.

Vegan, also? … !

Die letzte Woche habe ich mich damit beschäftigt. Mit Ernährung. Es wird für mich eine Umstellung sein kein Fleisch zu essen. Kein Salamibrot. Kein Parmesan auf meinen Nudeln. Keine Tomatensoße mit Hackfleisch. Kein Braten. Das wird mir fehlen. Aber da in meiner Familie auf gesunde Ernährung und einen gemäßigten Fleischkonsum geachtet wird, wird die Umstellung nicht ganz so schwer sein.

 

Ich weiß nicht, wie ich mich fühlen werden. Ich weiß nur, dass ich keine Rechtfertigung mehr habe, um tierische Produkte zu essen. Wenigstens versuchen muss ich es. Und das tue ich!

 

Denn: Ist mein Geschmackssinn mehr wert, als ihr Leben? Darf ich mich über sie stellen nur weil ich ein Mensch bin? Dabei habe ich ein Hund, sogar zwei und ich kann sehen, wie unterschiedlich sie sind. Sie stammen beide aus dem Tierheim und ich erkenne ihre seelischen Verletzungen, ihre unterschiedlichen Arten damit umzugehen. Ja, sie können sie mir nicht mitteilen. Sie können mir nicht sagen, was sie erlebt haben. Nicht sagen, was sie brauchen und wollen. Aber sie zeigen mir, dass sie mich lieben. Trösten mich, wenn ich traurig bin, indem sie versuchen meine Tränen abzulecken. Eine eklige Sache, sicher. Aber das ist ihre Art einen in dem Arm zu nehmen. Sie schreien, wenn sie schmerzen haben. Zittern wenn sie Angst haben. Kommen zu einem, um Nähe und Intimität zu schenken und entgegen zu nehmen. Schweine sind genauso intelligent wie Hunde. Wie könnte ich meinen Hund essen? Und da ich es nicht kann, wie kann ich weiterhin Schwein essen?

Wie kann ich weiterhin so tuen, als gäbe es diese Grausamkeit nicht?

 

 

Montag, der 18.06

 

Die erste Umstellung des Tages: Kaffee!

Ich trinke meinen Kaffee mit Milch. Jetzt nicht mehr. Heute  trinke ich sie mit Hafermilch. Ich habe sie selber gemacht, da mein Kaffee und der dazugehörende Milchkonsum eher steigend, als fallend ist und die Hafermilch, die man kaufen kann mir zu teuer sind. Es ist ungewohnt. Mit Milch hat es definitiv besser geschmeckt. Obwohl das Rezept das ich gefunden habe sehr gut schmeckt. Süßer. Ich habe sie mir Zimt und Datteln verfeinert. Aber es geht. Und vielleicht ist ein fallender Kaffeekonsum nicht so doof.

 

Auf der Arbeit ziehe ich mir einen Kaffee. Will nach der Milch greifen und dann fällt mir auf, dass ich sie nicht trinken kann. Kaffee schwarz trinken? Ich mache etwas Süßstoff rein, aber wirklich toll schmeckt es nicht. Nicht wie ich sonst meinen Kaffee trinke. Aber okay. Vegane Ersatzprodukte gibt es zwar inzwischen Unmengen im Supermarkt, aber eben noch nicht in jeder Küche der Firmen.

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Das Frühstück finde ich allerdings toll. Ich esse Obst und Brot mit einem Haselnussaufstrich, der wie Schokolade schmeckt. Mittags gab es einen Apfel und Brot mit meinem Karotten-Tomaten Aufstrich, der verfeinert mit Ruccola und Mediterranen Gewürzen einfach himmlisch schmeckt.

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Im Großen und Ganzen war mein erster Tag vegan gut. Es geschieht mir manchmal, dass ich automatisch nach einer Scheibe Wurst oder Käse greifen will. Gerade wenn man Hunger hat und man nur nach etwas Kleinem sucht, dass man sich in den Mund schieben kann. Oder die Sache mit der Milch. Aber was ich jetzt schon nach einem Tag merke: Bewusstsein. Man muss sich mehr damit auseinandersetzten, was man isst. Was man zu sich nimmt. Man muss sich damit beschäftigen.

Und das finde ich grundsätzlich gut.

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2 Gedanken zu “Das Vegan- Experiment

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