Massentierhaltung- das Parfüm des Sommers

Der Sommer hat seinen ganz eigenen Duft.

Der Duft von Fleisch. Er hängt in der Luft. Vermischt sich mit Holzkohle und Feuer. Grillen, Barbecue, wie man es auch nennt, es ist schmackhaft, beliebt, gesellig und einfach toll.

Wer liebt nicht den Geruch von brutzelnden Fleisch, vor allen wenn er sich vermischt mit selbstgemachter Knoblauchbutter, die erst wie ein gelb-grüner Haufen auf dem heißen, fettigen Fleisch liegt und dann langsam verläuft. Und während sie die wohlduftende Brühe über das Fleisch ergießt, zieht der Geruch durch die Nase, den Magen und jedes einzelne Körperteil. H-e-r-r-l-i-c-h-!

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Ich bin überzeugte Fleischesserin. Merkt man, oder?

 

Grillen ist deutsche Kultur, richtig? Richtig. Tradition könnte man wohl auch sagen. Und was Tradition ist, überdenkt man nicht, man genießt sie. SO wie die Geschenke an Weihnachten. SO wie die Schoki- Ostereier an Ostern. So wie den Geburtstagskuchen, die Geschenke, die Glückwünsche und die Party. SO wird das gemacht.

 

Aber das ist nicht der Plan für dieses Jahr. Jedenfalls nicht für mich. Ich wollte mehr über die Umwelt wissen und machte mich auf die Suche nach dem größten CO2 Verursacher auf der Welt. Ich dachte an das Transportwesen. An  die Energielieferanten. Aber vor allen an das Transportwesen. Heißt es nicht überall: Lasst das Auto stehen, geht mehr zu Fuß, macht das Licht aus, nimmt Energiesparlampe und trennt euren Müll? Das sollte doch die Umwelt retten. Weniger Plastik und mehr Keramik und erneuerbare Rohstoffe. DAS rettet die Umwelt.

 

Der größte CO2 Verursacher: Schweinchen Babe und seine Freunde

 

Aber die Wahrheit sieht anders aus. Die Wahrheit ist: das Transportwesen ist nicht der größte Verursacher von CO2. Sondern das, was gerade neben Kartoffelsalat und Ketschup auf unserem Teller brutzelt, rosig und saftig ausschaut, wenn man hineinschneidet und köstlich riecht. Ja, ich rede vom Fleisch. Genau gesagt: Massentierhaltung. Sie ist der Grund für 18% der CO2 Ausstoß.

 

Das Problem bei dieser Zahl ist, dass sie eigentlich zu niedrig ist. Denn die FAO, auf der diese Zahlen beruhen, hat viele Dinge nicht mit einberechnet. 2009 veröffentlichte das World-Watch Institute eine Studie mit dem Namen „Livestock and Climate Change“. Diese Studie besagt, dass es 51% der klimaschädlichen Gase durch die Massentierhaltung verursacht werden.

Im Klartext bedeutet das: Würde dieser Balken wegfallen, hätten wir eine reale Chance das Klima zu retten. Aber noch mal zurück : Wie kommt das Institut auf eine solche Zahl?

 

Es ist ganz einfach. Die Massentierhaltung besteht nicht nur aus den atmenden Kühen und Schweinen, die einfach so im Stall stehen und später auf unseren Tellern landen. Nein.

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Zu erst wäre da die Landnutzung. Die Abholzung des  Regenwaldes, der pro Hektar Land 200 Tonnen CO2 speichern kann. Also wie ein großer Schwamm funktioniert und die menschlichen Fehler kaschiert. Das Problem bei der ganzen Sache ist, das wir inzwischen gar nicht mehr wissen, wohin mit der Massentierhaltung, den Ställen und wo sollen wir das ganze Futter für die Tiere anbauen? Also roden wir den Regenwald ab. Wir vernichten unseren größten Schwamm. Den Schwamm, der a) unser CO2 speichert, b) Sauerstoff produziert und c) Lebensraum von Abermillionen Pflanzen und Tieren darstellt.

Und das nur, damit wir im Sommer draußen auf der Terrasse sitzen können und ein gebratenes Steak auf den Teller bekommen.  Und unser Konsum steigt. Deutschland ist inzwischen Europas führender Schweinefleischexporteur.  Im ersten Quartal dieses Jahres wurden über 2 Millionen Tonnen Fleisch allein in Deutschland produziert. Das sind ein Produktionsplus von 1,8 % in diesem Jahr. Das heißt ein plus von 82.000 Tonnen toter Schweine in drei Monaten.  282.600 Tonnen toter Rinder mehr.  24.300 Tonnen totes Geflügel mehr.

 

Und all diese Tiere produzieren Methan. 37% des weltweiten Methanausstoßes wird von der Massentierhaltung produziert. Wir sehen sie an der Gülle, die auf den Feldern gesprüht werden. Das Erderwärmungspotential von Methan sehen wir dabei nicht. Wir riechen nur die eklige Luft, verziehen die Nase und denken nicht daran, dass Methan eine 25 höheres Erderwärmungspotential als CO2 hat auf 100 Jahre gerechnet. Wir denken nicht daran, das Nitrat und Nitrit durch die Gülle ins Grundwasser sickert. Das Nitrit krebserregend ist . Wir regen uns nur über die Wasserrechnungen der Gemeinde auf. Schimpfen auf die Kostensteigung und denken nicht daran, dass die Gemeine irgendwie die Giftstoffe aus unserem Grundwasser filtern müssen. Und was brauchen sie dafür? Neuste Technik, viel Energie und das führt zu gesteigerte Kosten.

 

Gehen wir noch mal zu unserem 400 gramm Schwein auf unserem Teller zurück. Die Knoblauchbutter ist verlaufen und entwickelt ein unwiderstehliches Parfüm aus Fleisch, Knoblauch und Butter. Geschmolzenes Fett wird mit frischem Baguette aufgefangen und mit einem großem Bissen saftigen, rosigen Fleisch in den Mund geschoben. Und dieses 400 Gramm Schwein hat gerade 10 Liter Gülle produziert, dass sich nun in unser Grundwasser absetzt.

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Der Hunger der Welt

 

70 % der landwirtschaftlich genutzten Flächen werden eh nur für die Versorgung der Tiere benutz. Ja, ihr habt richtig gehört. 70% der Flächen auf den Sojabohnen und andere Dinge angebaut werden, werden nicht für die Nahrung von Menschen benutzt sondern für die Tiere, die zwar im Endeffekt als Nahrung enden. Aber bedenkt man die 12 Milliarden Menschen, die unter Hunger leiden, die kein Essen haben und sieht sich dann noch mal die Zahl 70 an, dann fragt man sich doch: Könnten diese 70% etwas ändern?

Etwas für die hungerten Babys und die ausgemergelten Gestalten, die man in den Broschüren von Unicef und Ärzte ohne Grenzen sieht. Könnte das etwas ändern? Und die Antwort lautet : Ja. Es würde etwas ändern. Man könnte diese Menschen ernähren.

 

Aber Fleisch ernährt uns auch. Jedenfalls die reichen Menschen. Die Menschen in Europa und in Amerika. Wir müssen zwar hoffen, dass die 742 Tonnen Antibiotika, die 2016 in den deutschen  Ställen eingesetzt wurden uns nicht resistent gegen über Antibiotika machen oder uns mit multiresistenten Bakterien infizieren, aber wir haben etwas zu essen. Ich frage mich zwar noch immer, wie man Antibiotika in der Human und Tiermedizin gleichzeitig benutzen kann. Aber man darf. Und während die Tiere in den Massentierställen vor Frust und Langweile anfangen sich gegenseitig anzuknabbern, Wunden und Eiter sich bilden und die Krankheiten, durch zu wenig Platz und nicht existenter Hygiene, sich bestens entwickeln, schlucken die Tiere Antibiotika wie Tic Tacs.

By Unknown - http:::www.epa.gov:region7:water:cafo:images:hogssm2.jpg, Public Domain, https:::commons.wikimedia.org:w:index.php?curid=1863697

Und während wir noch ein Würstchen und noch ein Filet essen und uns gut und ausgewogen ernährt fühlen, weil wir Proteine und Eisen und Zink zu uns nehmen, ist das leckere Stücken Schuld für 60% des Artensterbens. Es ist Schuld für die Hektar zerstörten Regenwaldes und das Auslöschen von Lebensraum für Tiere, Pflanzen und die indigenen Völker dort. Es ist für die höheren Preise des Grundwasser und 51% der umweltschädlichen Gase schuld!

 

Ich schaue auf das Stück Fleisch auf meinem Teller und denke: Wollte das Schwein das? Wollte es als Steak auf meinem Teller landen? Wollte es sein ganzes, viel zu kurzes Leben in Beton verbringen. Ein Leben zwischen Kot, toten Tieren, kein Auslauf, kein Sonnenlicht. Wollte das Schweinchen, dass wir es ohne Betäubung kastrieren, die Hoden abschneiden und die Schwänze entfernen, damit die Schweine sich wegen der unnatürlichen Lebensbedingungen nicht gegenseitig die Schwänze abbeißen? Wollte dieses Tier, dieses Lebewesen, dass genau wie ich oder meine Hunde: atmet, lebt, Schmerz und Angst, Freude und Glück empfinden kann, dieses Leben? Und wenn ich nicht bereit bin meine Hunde zu essen, wie kann ich dann dieses Schwein essen? Wenn ich nicht bereit bin das Messer selber zu führen und das Schweinchen zu töten, wie kann ich dann verlangen, dass Andere dies für mich tun? Wenn ich angewidert bin von den Bilder der Massentierhaltung und den Schlachthäusern, wie kann ich diese Industrie unterstützen? Unterstützen mit meinem Geld. Weil ich ihre Produkte kaufe! WIE?

 

Ich schaue mir Schlachtervideos an und muss mich fast übergeben. Die Fehlbetäubungsrate bei Schweinen liegt bei 12,5 %. Das heißt sie werden lebendig und bei vollen Bewusstsein in heißes Wasser geworfen. Denn dort werden die Schweine hineingetan, wegen ihrer Borsten. Und der Bolzenschuss bei Kühen wirkt bei 9 % nicht. Diese 9 % sind wach, während man ihnen die Kehle aufschneidet und das Blut aus ihnen hinausläuft. Manche sterben nicht einmal beim verbluten. Sie werden an ihren Hinterlauf hochgezogen und sterben erst, wenn die Maschinen anfangen sie zu zerhacken.

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65 Milliarden Tiere sterben jedes Jahr. Ja, ich sage sterben und nicht schlachten. Denn es gibt keinen Unterschied. Es ist egal, ob sie ein glückliches Leben auf einem Biohof hatten oder in einem fensterlosen Betonstall unter grausamen Bedingungen fristeten. Denn am Ende sind sie tot. Getötet, weil ich den Geschmack von Fleisch mag. Weil ich die Knoblauchbutter auf das brutzelnde Steak schmieren wollte. Und  für die 20 Minuten, die ich das Fleisch gegessen habe. Für MEINE 20 Minuten Genuss, musste ein Lebewesen sterben.

 

Ich war überzeugte Fleischesserin. Aber ich habe die Bilder gesehen. Habe die Folgen für Umwelt und Tier gesehen. Ich habe mich damit beschäftigt, warum wir Menschen ein anderes Lebewesen als Ding sehen können.

Wenn wir in den Supermarkt gehen und ein eingepacktes Stück Fleisch kaufen, sieht es nicht mehr aus wie das Lebewesen. Es hat keinen Namen. Ist schon lange gekühlt. Nicht mal Blut klebt an den meisten Stücken. Es sieht aus wie ein Ding.

 

Aber es ist kein Ding. Es war ein Lebewesen, dass wie wir fühlt. Es hat vielleicht kein ganz so ausgebildetes Bewusstsein wie wir Menschen, aber es lebte. Es hat ein Recht auf Leben. Und ich habe es ihm weggenommen. Ich habe eine Wirtschaft unterstützt, die für solch eine grausame Behandlung von Tieren sorgt und das nur, weil mein Fleisch billig sein sollte.

 

Wir Menschen doch schon immer Fleisch gegessen haben.

 

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Fleischkonsum Kultur ist. Tradition. Aber wie soll ich eine Gesellschaft jetzt sehen, die wegschaut bei den grausamen Szenen und einfach weitermacht. Was für wirkliche Gründe gibt es noch Fleisch zu essen? Inzwischen können wir alle Nährstoffe aus pflanzlicher Nahrung erhalten. Muss unsere Gesellschaft die moralischen und ethischen Werte überdenken? Denn wenn wir zulassen und unseren Kindern beibringen, lebendige Wesen als Dinge zu sehen und ihre Geschmacksknospen über ein Leben zu stellen, wie können wir ihnen gleichzeitig Mitgefühl und Verständnis untereinander und miteinander beibringen? Wie können wir gleichzeitig uns über alles stellen. Über die Natur und jedes andere Lebewesen, aber eine gleiche, gerechte, menschliche Welt propagandieren?

 

Ich weiß es nicht. Und ich möchte nicht belehren. Aber die Fragen stellen sich mir. Ich muss mich das  selbst Fragen. Kann ich weiterhin Fleisch essen?  Kann ich weiterhin wegsehen und so tun, als gäbe es all die Dinge nicht?  Kann ich? Darf ich?

Nach allem was ich gesehen und gelesen habe? Aber was ist die Alternative: Verzicht auf tierische Produkte? Oder reicht Verzicht auf Fleisch?

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2 Gedanken zu “Massentierhaltung- das Parfüm des Sommers

  1. Toller Artikel! Ich finde es auch schrecklich wie die Tiere behandelt werden, deswegen bin ich Vegetarierin. Obwohl ich zugeben muss, dass ich manchmal auch ein Stückchen esse. Aber die meiste Zeit verzichte ich auf fleisch. Hätte nicht gedacht das die massentierhaltung so ein Umweltverschmutzer ist👍🏻

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