3 Wochen Vegan

„Ehrlich gesagt, bin ich froh, dass du wieder gehst“, gesteht mir mein Vater und sieht mich entschuldigend an, „ ich kann dir gar nicht sagen, was für eine Lust ich auf Fleisch habe- nicht das wir die letzten Tage schlecht gegessen haben, aber… Lea, ich brauche jetzt einfach wieder mein Fleisch!“  Ich muss fast lachen und hebe nur überrascht die Augenbrauen.

„ Ehrlich? Ich habe überhaupt kein Bedürfnis nach Fleisch“, sage ich und überlege, wie lange es her ist, dass ich Fleisch gegessen habe. Am Sonntag 3 Wochen vegan. Wow. Irgendwie ist die Zeit dahin geflogen ohne das ich es gemerkt habe.

Wir bestellen beim Kellner unser Essen. Syrisches Restaurant. Ich bin überrascht, wie viel Auswahl sie für mich haben. Arabischer Salat, Taboulé, Falafel- Sandwich und Safranreis. Muss ich erwähnen, wie voll gegessen ich danach war? Köstlich.

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3 Wochen vegan. Erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht.

„Merkst du was? Also eine Veränderung?“, fragte mich ein Freund am Tag zuvor.

„Absolut. Ich kann viel mehr essen und habe trotzdem abgenommen. Das war zwar nicht meine Intension, aber die zwei Kilo versuche ich schon seit Monaten irgendwie loszuwerden und jetzt ging es komplett unbewusst. Ich habe einfach gegessen. Und naja, meine Haut..“, ich streiche darüber, „ viel ebenmäßiger, reiner und sie sieht irgendwie gesünder aus. Und außerdem: ich habe soviel Energie.Kein Schnitzel-Koma mehr!“

„Schnitzel-Koma?“ Er zieht die Augenbrauen zusammen und sieht mich fragend an. Ich lache über seine Grimasse.

 

„ Die Müdigkeit und Trägheit, wenn man gut gegessen hat. Nach dem Mittagessen hätte ich mich immer noch mal eine halbe Stunde hinlegen können! Und jetzt… klar gibt es Tage, an denen ich müde bin. Aber normalerweise brauche ich keinen Mittagsschlaf mehr, ich bin viel aktiver- will mich körperlich betätigen.“

Er nickt, wiederholt „Schnitzel-Koma“ und lacht leise über das Wort. „Verstehe. Das kenne ich auch. Hört sich fast zu schön um wahr zu sein an! Willst du mir wirklich erzählen, dass alles nur Friede Freude ist? Was ist mit den Vitaminen, die du meist aus tierischen Produkten bekommst?“

„Ich supplementiere mit Brausetabletten. Die mochte ich schon früher, weil sie einfach lecker sind. Und ja es gibt Nachteile.“  Wir gehen in ein Café. Und ich halte ihm die Speise- und Getränkekarte unter die Nase. „Normalerweise würde ich einen Cappuccino oder einen Latte nehmen. Aber die wenigstens Cafés haben pflanzliche Milch, ergo bleibt nichts anderes übrig als schwarzen Kaffee zu nehmen- aber ich mag keinen schwarzen Kaffee. Also trinke ich Wasser oder Tee. Das ist nicht schlimm, aber ja, das ist blöd.“  Ich blättere die Seiten um und zeige auf die Kuchen und Süßspeisen. Ich liebe süße Sachen. Kuchen, Desserts- egal. Hauptsache süß. Und Schokolade… bitte begrabt mich darin. Aber das alles fällt weg. Jedenfalls in einem normalen Café. Finde ich es blöd anderen Leuten beim Kuchen essen zu zuschauen, während ich am liebsten eine Tafel Schokolade verschlingen möchte? Ja, natürlich. Gerade, wenn ich wo anders bin oder weg gehe, ist es schwierig etwas süßes ohne Eier oder Milch zu finden. Zuhause ist das kein Problem. Es gibt soviel vegane Kuchenrezepte, aber in einem Stinknormalen Café oder Restaurant ? Schwierig. Ganz, ganz, ganz schwierig!“

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Mein Kumpel ist nett genug keinen Kuchen zu bestellen und ich bleibe bei meinem Wasser. Das erspart mir einen Moment der Sehnsucht und dem Gefühl meine Gabel ebenfalls in den Kuchen zu stoßen. Als ich wieder zuhause bin, denke ich darüber nach. Über die 3 Wochen vegan. Ich fühle mich großartig. Das hätte ich nicht in der Größenordnung erwartet, aber so ist es. Nachdem essen fühle ich mich leichter, mein Magen, der schon immer empfindlich auf alles reagierte. Sei es Stress und Druck oder zu viel von dem selben Lebensmittel, zu wenig Wasser, zu wenig Bewegung. Er schwankte immer zwischen empfindlichen Magen und einem Reizdarm. Aber auch das hat sich deutlich gebessert. Weniger Krämpfe. Weniger das Gefühl „aufgebläht „ sein. Allein deshalb ist das Experiment Vegan schon ein Erfolg. Jeder der ebenfalls mit dem Magen kämpft, weiß wie unangenehm und schmerzhaft das sein kann.

 

Schlussendlich hat man keine Wahl sich als Veganer nicht mit Lebensmittel und dem Essen auseinander zusetzten. Sich bewusst zu machen, was stopfe ich da in meinen Körper und in wie weit reagiert mein Körper darauf, ist wirklich wichtig. Für mich jedenfalls. Für meinen kleinen Bruder nicht. Mein Bruder ist überzeugter Fast Foodler. Kann ja jeder machen, wie er will. Ich mag das „Grünzeug“ und das „Zeug“, was so von den Bäumen und Sträuchern hängt. Mein Bruder mag es eben käsig, fettig und kalorienreich. Er ist gerade einmal 18 und kam von seiner Blutuntersuchung zurück. Erhöhte Harnsäure, erhöhter Blutdruck , erhöhtes Diabetes Risiko. Er bekommt jetzt Medikamenten für die erhöhte Harnsäure, die zum Beispiel zu Gicht führen kann. Ich bin schockiert und  froh, dass ich nichts von Fast Food halte. Und das schon immer. Was Essen angeht, lag mir schon immer viel an frische und selbst bereitetes Essen. Es schmeckt einfach besser. Tausendjahre besser. Wenn ich nur an manche Hamburger Brötchen verschiedener Fastfood ketten denke, läuft es mir kalt den Rücken hinunter. „Pappteller“ hat mein Vater zu dem labbrigen Brot gesagt und das es nach nichts schmeckt.

IMG_1751„Reines Gift für die Gesundheit“ hat er dann weiter lamentiert, wenn mein kleiner Bruder rund ich im Kindesalter genau wie unsere Freunde zu einer solchen Kette gehen wollte. Mein Vater hat das kategorisch abgelehnt. „ Für so einen Mist gebe ich kein Geld aus“ hieß es dann und damit war die Diskussion zu ende. Früher prasselte auf ihn eine Reihe von kindlichen Ärgernissen und Wutanfällen, heute bin ich ihm und meiner Mutter mehr als dankbar, dass bei uns jeden Tag frisch gekocht wurde. Frisches Gemüse, frische Kräuter. Fertiggerichte, Fertigsalatsoßen- das alles kam nicht ins Haus.

 

Heute bin ich erwachsen und selbst vor meiner Entscheidung Vegan zu werden, hatte ich ein anderes Verhältnis zu essen, als meine Freunde. Süße Getränke. Cola, Fanta- das alles mag ich nicht. Ich kann es nicht trinken, weil es zu süß ist. Wenn man nie Cola getrunken hat, sondern immer nur Wasser ( denn nur das gab es bei uns), dann ist ein Glas Cola wie ein Zuckerschock. Meine Freundin Ronja dagegen trinkt so gut wie nie Wasser. Sie trinkt eigentlich nur Cola. Ich hasse Cola. Wie neidisch war ich früher auf die Freundinnen, die Chips zu Hause hatten. Heute bin ich froh , dass meine Eltern mich von den Geschmacksverstärkern und Zusatzstoffen ferngehalten haben.

 

Der Satz“ du wirst mir dafür einmal danken“  war der Hasssatz des Jahrhunderts. Vor allen in der Pubertät. Heute muss ich noch immer lächeln, wenn ich daran denke. Aber im Endeffekt hatten meine Eltern irgendwie Recht. So wie die meisten Eltern später doch „irgendwie recht“ hatten und man ihnen „irgendwie dankbar“ heutzutage ist. So ist das mit der veganen Ernährung und den Eltern.

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3 Gedanken zu “3 Wochen Vegan

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